So schmeckt "Erwachsen sein"

Ich komme abends nach Hause, der Tag ist vorbei. Das Gefühl es müsste noch etwas passieren, will mir nicht aus dem Kopf, „Point-of-no-return“ - der Tag ist vorbei, aber das kann doch noch nicht alles gewesen sein. Enttäuscht und gelangweilt gehe ich in die Küche dort steht etwas abgepackter Schokoladenkuchen. Ich entscheide mich dazu Hunger darauf zu haben, und befreie ein Stück aus der Folienverpackung. Etwas zu trinken dazu wäre wohl angemessen, da trifft es sich gut das neben der Spüle eine halbleere Flasche der billigen Oragenlimo steht.

Ich setze mich hin und fange an zu kauen. Der Kuchen ist ziemlich vertrocknet, also versuche ich ihn mit der Limo aufzuweichen und nehme einen Schluck. Was ist das für ein komisch süßer Geschmack in meinem Mund an irgendwas erinnert er mich. Dann fällt es mir wie Schuppen von meinem inneren Auge. Diese süße Pampe in meinem Mund schmeckt nach Kindheit, nach Familienausflügen, nach Spaziergängen mit Mama, nach langen Grillabenden mit Armeisenbissen, nach der großen Schaukel im Garten, nach Kindergeburtstag meines besten Freundes, nach Kirmesbesuchen, nach Abenteuern auf dem alten Zechengelände hinterm Haus, und nach der Musik die aus den Zimmern meiner Brüder kam.

Der süßliche Geschmack verfliegt und es bleibt ein saurer, bitterer Belag auf meiner Zunge. Plötzlich sitze ich wieder alleine in der fahl beleuchteten Küche, und habe das Gefühl es müsste noch etwas passieren. So schmeckt „Erwachsen sein“.


Changes. Just gonna have to be a different man. Time may change me. But I can't trace time.